• Wo bleibt die Wohneigentumsförderung?

Wo bleibt die Wohneigentumsförderung?

19.03.2020 Albert Leiser

Die Abstimmung über die Volksinitiative «Mehr bezahlbare Wohnungen» liegt hinter uns. Das Ergebnis war eindeutig. Eigentlich gibt es dem, was ich in meiner letzten Kolumne dazu geschrieben habe, nichts beizufügen. Wäre da nicht eine Aussage von SP-Vizepräsident Beat Jans im Abstimmungsstudio.

Jans beklagte sich nämlich darüber, dass sich der Anteil der Mieter, die sich Wohneigentum leisten können von 40 auf 10 Prozent gesunken sei. Ich wunderte mich etwas, weil es bei der Abstimmung ja darum ging, speziell den Bau preisgünstiger Mietwohnungen zu fördern – also gerade nicht das Wohneigentum.

Ich möchte deshalb den Ball aufnehmen und daran erinnern, dass auch die Förderung des Wohneigentums ein Verfassungsauftrag ist (BV-Art. 108). Das scheint nach den über 30 Jahren, seit dies in der Bundesverfassung verankert wurde, irgendwie vergessen gegangen zu sein. Dabei stehen die eigenen vier Wänden auch heute noch weit oben auf der Wunschliste der meisten Jungen, die naturgemäss in den allermeisten Fällen eben Mieter sind. Wenn selbst der Vizepräsident der SP mit den Schwierigkeiten hadert, auf welche Interessierte stossen, wenn sie zum ersten Mal Wohneigentum erwerben wollen, stellt sich die Frage, warum nichts dagegen unternommen wird, statt so viel Energie in einen Abstimmungskampf um Mietwohnungen zu investieren. Wäre es nicht an der Zeit, das Augenmerk einmal weg vom genossenschaftlichen und hin zum direkten Eigentum zu lenken? 

Einen Anfang könnten flexiblere Finanzierungsmodelle machen, die wenigstens bei Jüngeren dem Problem des Startkapitals Rechnung tragen. Die derzeitigen niedrigen Hypothekarzinsen bieten sicherlich Spielraum für Amortisationspläne, so dass die Verschuldung beispielsweise bis fünfzig nur noch achtzig Prozent betrüge. Und dann ist da ja auch der Fonds de Roulement. Muss der einseitig nur den Genossenschaften zugutekommen? Das investierte Kapital wäre jedenfalls auch bei derzeitigen Mietern in der eigenen Wohnung sicherer investiert als irgendwo sonst.